Technik & Medien
Eishockey Tabelle lesen: Punkte und Tordifferenz
Zwei Ligen, zwei Punktesysteme, dieselbe Optik: eine Tabelle sagt nur dann etwas aus, wenn man weiß, nach welcher Regel sie gebildet wurde.
Eine Tabelle sieht in jeder Liga gleich aus und bedeutet selten dasselbe. Der Grund ist das Punktesystem, das sich zwischen Ligen und über die Jahre verändert hat. Wer zwei Tabellen aus unterschiedlichen Wettbewerben nebeneinanderlegt, vergleicht deshalb häufig Äpfel mit Birnen.
Zwei Punkte oder drei
Das ältere System ist einfach: zwei Punkte für den Sieg, einer für ein Unentschieden, keiner für eine Niederlage. Es wird in vielen Amateur- und Freizeitligen weiter verwendet, weil es ohne Verlängerung auskommt.
Im Profibereich hat sich das Dreipunktesystem durchgesetzt. Ein Sieg in der regulären Spielzeit bringt drei Punkte, ein Sieg nach Verlängerung oder Penaltyschießen zwei, eine Niederlage nach Verlängerung oder Penaltyschießen einen, eine Niederlage in der regulären Zeit keinen. Der Effekt ist beabsichtigt: eine Partie vergibt entweder drei Punkte insgesamt oder, wenn sie in die Verlängerung geht, drei auf zwei Mannschaften verteilt. Deshalb kann eine Mannschaft mit vielen knappen Niederlagen erstaunlich weit oben stehen.
| Ausgang | Sieger | Verlierer |
|---|---|---|
| Sieg in regulärer Spielzeit | 3 | 0 |
| Sieg nach Verlängerung | 2 | 1 |
| Sieg nach Penaltyschießen | 2 | 1 |
Die Spalten und was sie verschweigen
Neben Punkten stehen in fast jeder Tabelle die Zahl der Spiele, Siege, Niederlagen und die Tore. Die aussagekräftigste Spalte ist selten die Punktzahl, sondern die Tordifferenz. Sie zeigt, ob ein Vorsprung auf Substanz beruht oder auf einer Serie knapper Erfolge, und sie ist über eine lange Hauptrunde ein besserer Hinweis auf die Stärke einer Mannschaft als die Position selbst.
Eine zweite Falle sind unterschiedlich viele absolvierte Spiele. Gerade in Amateurligen mit Nachholpartien stehen Mannschaften nebeneinander, die drei Spiele Unterschied haben. Wer die Tabelle nach Punkten liest, ohne die Spalte mit den Spielen zu beachten, liest sie falsch. Hilfreich ist dann der Punkteschnitt pro Spiel, den viele Portale mitliefern.
In dieser Reihenfolge lesen
- Spiele: Stehen alle Mannschaften bei derselben Zahl?
- Tordifferenz: Passt sie zur Platzierung, oder deutlich nicht?
- Punkte: Erst jetzt, und mit Blick auf das Punktesystem.
- Die letzten fünf: Formkurve, sofern das Portal sie zeigt.
Wenn Punkte gleich sind
Bei Punktgleichheit entscheidet nicht überall dasselbe. Verbreitet sind, in wechselnder Reihenfolge, die Zahl der Siege in regulärer Spielzeit, der direkte Vergleich und die Tordifferenz. Welche Regel gilt, steht in der Durchführungsbestimmung der jeweiligen Liga, und sie ändert sich gelegentlich. Für die Deutung eines Tabellenstands im Frühjahr, wenn es um die Qualifikation für die Endrunde geht, ist genau dieses Detail entscheidend. Was danach passiert, steht bei den Playoffs im Eishockey.
Von der Tabelle zur Aussage
Eine Tabelle beantwortet die Frage, wer wie viele Punkte hat. Sie beantwortet nicht, warum. Dafür braucht es die individuellen Werte: wer trifft, wer bereitet vor, wer steht bei Gegentoren auf dem Eis. Diese Zahlen stehen in der Scorerliste und der Torhüterwertung.
Und wer beides zusammenführen will, landet früher oder später bei einem Text. Wie man aus Zahlen eine lesbare Zusammenfassung baut, steht im Text über das Schreiben eines Spielberichts.
Zahlen weiterverfolgen
Wo die Tabellen der einzelnen Spielklassen tatsächlich liegen und welche Portale Daten bis in die unteren Ligen führen, steht im Überblick über die Datenbanken und Statistikportale.
Und für die Einordnung einer Platzierung hilft der Blick auf den Aufbau des Sports bei den Ligen in Deutschland.